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Fast 100 Jahre Tradition im ländlichen Feuerlöschwesen

Viele landwirtschaftliche Betriebe und große Moorflächen, aber auch ein historischer Ortskern, größere Chemie- und Fahrzeugbaubetriebe, Biogas- und Kompostierungsanlagen und nicht zuletzt die Autobahn 31 kennzeichnen das Einsatzgebiet der Ortsfeuerwehr Wietmarschen. Die Wehr, die gemeinsam mit den Ortswehren Lohne und Schwartenpohl die Freiwillige Feuerwehr Wietmarschen bildet, ist für ein großes Einsatzgebiet zuständig. Dazu zählen die Ortsteile Wietmarschen, Füchtenfeld und Wietmarscher Twist. In diesem Löschbezirk fahren die 47 Aktiven der Wehr mit ihren drei Fahrzeugen pro Jahr etwa 25 Einsätze.
Im September 2008 hat die Ortsfeuerwehr Wietmarschen ein besonderes Jubiläum vor sich: die Wehr wird 100 Jahre alt. Mit einem Festwochenende soll das Großereignis vom 12. bis 15. September auf dem Festplatz gebührend gefeiert werden. Dabei wird es einen Kommersabend und einen großen Umzug durch die Gemeinde geben. Geplant sind außerdem eine Übung der Kreisfeuerwehrbereitschaft, eine Fahrzeug- und Geräteschau sowie Schauvorführungen.
Offiziell gegründet wurde die „Freiwillige Feuerwehr Wietmarschen" im Jahre 1908 von Johann Tenfelde, Heinrich Berling und Heinrich Wübben. 41 Männer folgten dem Aufruf und meldeten sich für den Dienst in der Feuerwehr. Anlass war unter anderem ein großer Brand auf dem Stift in Wietmarschen bei Revermann im Jahre 1905 und die Beschaffung einer neuen, von Pferden gezogenen Handdruckspritze im Jahre 1907. Vor 1908 hatte es auch in Wietmarschen eine so genannte Pflichtfeuerwehr gegeben, die Mitgleid des 1899 gegründeten Emsländischen Feuerwehrverbandes war.
Als 1936 in Schwartenpohl das Anwesen der Familie Keuter brannte, wurde endgültig klar, dass mit der alten Handdruckspritze der Brandschutz nicht mehr sicherzustellen war: Die Kutsche musste von den Pferden durch tiefen Sand und Schlammwege zum Einsatzort gezogen werden. Unterwegs mussten die Pferde ausgewechselt werden, weil die ersten vollkommen erschöpft waren.
1932 bekam die Feuerwehr Wietmarschen die erste motorisierte Tragkraftspritze vom Typ Koebe. Sie hatte eine Leistung von 800 Litern in der Minute. Transportiert wurde sie, da ja nur eine Kutsche zur Verfügung stand, auf einem Lastwagen der Firma Rickhoff. 1944 stellte die Wehr den Antrag auf Anschaffung eines Löschfahrzeugs LF8, der wurde aber vorerst abgelehnt.
Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau der Feuerwehr Wietmarschen nur zögerlich. Viele Kameraden hatten im Krieg ihr Leben gelassen. Am 1. Januar 1951 betrug die Mitgliederzahl nur noch 24. Am 12. April 1952 aber konnte die Feuerwehr Wietmarschen ihr erstes eigens Fahrzeug in Dienst stellen: einen gebrauchten Opel Blitz, den sie zum Feuerwehrfahrzeug umrüstete. 1954 wurde das erste Wietmarscher Feuerwehrhaus erstellt. Und 1957 bekam die Feuerwehr Wietmarschen endlich auch eine neue Tragkraftspritze.
Ein reguläres, fast neues Löschfahrzeug vom Typ Opel Blitz konnten die Wietmarscher 1962 in Dienst stellen. Drei Jahre später war die Zahl der Mitglieder wieder auf 39 Kameraden angestiegen, die Wehr hatte somit nach langer Zeit wieder ihre Vorkriegsstärke erreicht.
Die Gemeindereform des Jahres 1974 wirkte sich auch auf die Wietmarschener euerwehr aus. Die Feuerwehren aus Lohne, Wietmarschen und Schwartenpohl wurden zu einer Freiwilligen Feuerwehr Wietmarschen. Auf Grund des Zusammenschlusses musste auch ein Gemeindebrandmeister gewählt werden. Die Wahl gewann Felix ten Brink.
1978 bekam die ortsfeuerwehr Wietmarschen ihr erstes Tanklöschfahrzeug, ein Magirus, der bis Oktober 2005 im Dienst blieb.
Das 1954 bezogene und seitdem mehrfach umgestaltete Feuerwehrhaus wurde 1981 erweitert. Da die im Gebäude mit untergebrachte DRK-Ortsgruppe ein neues Fahrzeug bekam, reichte der Platz nicht mehr aus. Auch dieser Anbau half der Wehr nur ein paar Jahre weiter. 1992 schließlich konnte die Feuerwehr in ein neu gebautes Feuerwehrhaus am Schoolpatt umziehen. Dort stehen ihr die notwendigen Unterrichts- und Sozialräume sowie moderne Fahrzeughallen zur Verfügung.
Nicht zuletzt wegen der neuen Einsatzaufgabe an der Autobahn 31 erhielt die Ortsfeuerwehr Wietmarschen im Oktober 2005 ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/24, das die Schlagkraft der Wehr erheblich erhöht. Der 220 PS starke MAN mit Allradantrieb und geländetauglicher Einzelbereifung ist mit einem Rosenbauer-Aufbau versehen und führt unter anderem 2400 Liter Wasser mit. Zusätzlich zur feuerwehrtechnischen Normbeladung verfügt das Fahrzeug über einen ausfahrbaren Lichtmast, weitere Beleuchtungsmittel und ein Notstromaggregat. Ferner sind zusätzliche Schlauchlängen und Halterungen für Atemluftgeräte an Bord.
Da die Wietmarscher aber nicht nur auf moderne Technik, sondern auch auf Tradition setzen, erhalten und pflegen sie bis heute ihre erste Handdruckspritze aus dem Jahre 1907. Das historische Löschgerät wurde gerade in Eigenleistung komplett restauriert und wird spätestens beim Jubiläum der Wehr 2008 wieder im Mittelpunkt nostalgischer Veranstaltungen stehen.

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